Revolution Design oder Design Revolution?

Designfest-Kurator Simon Daubermann über die UNCOVER Conference

Eine Revolution markiert den Übergang zwischen Systemen, Paradigmen und Perspektiven und unterliegt im Gegensatz zur Evolution einer zeitlichen Komponente: Revolutioniert wird nach historischem Verständnis kurzfristig, abrupt – hin und wieder sogar spontan. Die Mathematik spitzt die Wende zwischen Verläufen, Tendenzen und Zuständen gar auf einen eindeutig bestimmbaren Wendepunkt zu.

Welche Rückschlüsse lassen sich aus derartigen Umbrüchen für die Gestaltung ziehen? Welche Rolle könnte, sollte oder müsste Design in einer revolutionären Logik einnehmen? Die der Keimzelle? Die des Vorreiters? Die des Schauplatzes? Die der Protestform? Oder gar die des etablierten Systems?

Es sind solche und ähnliche Fragestellungen, die im Zentrum der diesjährigen UNCOVER Conference zum Thema „Revolution“ stehen. Das Revolutionsmotiv prägt den Konferenzrahmen dabei nicht nur auf einer inhaltlichen, sondern auch auf einer fundamentaleren, programmatischen Ebene. Denn die UNCOVER Conference bricht schon in ihrer Zusammensetzung mit dem klassischen Designverständnis: Es geht um Gestalter eines gesellschaftlichen und sozialen, technologischen und urbanen Wandels, um Ansätze einer neuen Denk- und Handlungskultur, um das Design von Ideen und Visionen, um die Rollengestaltung des Menschen in einer zunehmend digitalisierten Welt. Erst diese Abstraktion und Weiterführung des Design-Begriffes lässt erahnen welche Vielfalt – aber auch welche Einflussmöglichkeiten – Gestalter und Designer in unserer Gesellschaft innehaben können.

Diese erweiterte Wahrnehmung von ‚Design‘, jenseits des vermeintlichen Primats der Ästhetik, tritt zunehmend in den Vordergrund: Eigentlich designfremde Professionen entdecken die Methodik des ‚Design Thinking‘. Im Privaten spricht man in Begrifflichkeiten wie ‚design your life‘. In beiden Aspekten geht es um Formen des bewussten Anordnens – darum, Leben und Arbeit auf Basis von zuvor identifizierten und definierten Wünschen und Zielen reflektiert auszugestalten.

Welche Rolle spielen künftig die Designerinnen und Designer mit ihrer besonderen Profession?
Wie könnte eine Emanzipation aussehen?
Welche Rolle spielen dabei Werte, wie wichtig ist ein universelles ‚gut‘?
Wie können sich unsere Lebensräume verändern?
Wie leben wir, wie wohnen wir?
Wie können wir gemeinsam an Ideen und Modellen arbeiten?
Wie sehen Anknüpfungen in die Politik aus?
Wie wollen wir Technologie und Interaktion mit ihr in unser Leben integrieren?
Wie wollen wir unsere Zukunft gestalten? Wie wollen wir arbeiten, wie werden wir arbeiten?
… und nicht zuletzt fragt UNCOVER: Welche Haltung nehmen wir ein?

Friedrich von Borries hat in seiner Keynote zur Eröffnung den ‚Entwurf‘ als ein ‚sich-ent-werfen‘ des Bestehenden, des Existenten formuliert – beginnen wir also mit dem Entwerfen, den Entwürfen, dem Entwurf!

 

 


Als Festivalkurator zeichnet Simon Daubermann für die inhaltliche und programmatische Ausrichtung des Designfestes mit verantwortlich. Der Geschäftsführer des Designstudios DAUBERMANN ist seit mehr als 10 Jahren als Gestalter und Designer tätig und konnte mit seinen Arbeiten bereits zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen gewinnen. Sein Fachgebiet ist die Theorie identitätsbasierter Gestaltung sowie insbesondere deren Anwendung in Corporate Identity, Corporate Design und Kommunikation.